Moortypisierung: Unterschied zwischen den Versionen
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Bei Moorbildungen an steileren Hängen der Berglagen nimmt der Einfluss des Mineralbodenwassers an der Moorentwicklung zu. Das oberflächlich bzw. oberflächennah abfließende Hangwasser staut sich an der beginnenden Moorbildung und trifft später meist auf breiter Front auf den Torfkörper und wird beim Eintritt aufgestaut, so dass das Moor auch hangaufwärts wachsen kann. Die Grenze des Moorwachstums hängt dann maßgeblich von der Menge des anströmenden Mineralbodenwassers bzw. der Größe des hydrologischen Einzugsgebietes ab. Die Lage an steileren Hängen bedingt aber auch, dass sich bergseitig oft kein Randgehänge mehr entwickeln kann und sich der Mineralbodenwassereinfluss somit oft flächig nachweisen lässt. Es gibt aber auch Hangmoore, die sich zumindest in Teilbereichen dennoch bis zum echten Hochmoor weiter entwickeln (ombro-soligene Moore), da die eindringenden Nährstoffe herausgefiltert und gebunden werden und somit für Pflanzen nicht mehr verfügbar sind. Hier sind jedoch die Größe des Moores, die Größe des Einzugsgebietes und vermutlich auch das Alter der Moorbildung von großer Bedeutung. Ein gutes Beispiel für ein echtes Hochmoor dieses Typs ist das Große Zlaimmoos im steirischen Salzkammergut. | Bei Moorbildungen an steileren Hängen der Berglagen nimmt der Einfluss des Mineralbodenwassers an der Moorentwicklung zu. Das oberflächlich bzw. oberflächennah abfließende Hangwasser staut sich an der beginnenden Moorbildung und trifft später meist auf breiter Front auf den Torfkörper und wird beim Eintritt aufgestaut, so dass das Moor auch hangaufwärts wachsen kann. Die Grenze des Moorwachstums hängt dann maßgeblich von der Menge des anströmenden Mineralbodenwassers bzw. der Größe des hydrologischen Einzugsgebietes ab. Die Lage an steileren Hängen bedingt aber auch, dass sich bergseitig oft kein Randgehänge mehr entwickeln kann und sich der Mineralbodenwassereinfluss somit oft flächig nachweisen lässt. Es gibt aber auch Hangmoore, die sich zumindest in Teilbereichen dennoch bis zum echten Hochmoor weiter entwickeln (ombro-soligene Moore), da die eindringenden Nährstoffe herausgefiltert und gebunden werden und somit für Pflanzen nicht mehr verfügbar sind. Hier sind jedoch die Größe des Moores, die Größe des Einzugsgebietes und vermutlich auch das Alter der Moorbildung von großer Bedeutung. Ein gutes Beispiel für ein echtes Hochmoor dieses Typs ist das Große Zlaimmoos im steirischen Salzkammergut. | ||
=== Charakterisierung des Übergangsmoores === | ==== Charakterisierung des Übergangsmoores ==== | ||
Viele basenarme Moorbildungen sind durch das Auftreten der Arten des Sphagnetum magellanici gekennzeichnet und erscheinen rein optisch bei oberflächlicher Betrachtung oft als [[Hochmoore]]. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass vor allem in den Schlenken konstant Arten auftreten, die den Einfluss des Mineralbodenwassers verdeutlichen. Besonders das Vorhandensein der Latsche und die hohe Abundanz von Torfmoosen dürften dafür verantwortlich sein, dass derartige Moore oft zu den Hochmooren gezählt werden, obwohl die Latsche und auch Torfmoose ebenso in Niedermooren gedeihen können. Bei den meisten Vermoorungen dieses Typs lassen sich Mineralbodenwasserzeiger im gesamten Moorbereich nachweisen. Die Dominanz ist sehr unterschiedlich und die Deckungswerte je nach Ausbildung sehr gering, aber diese Differenzialarten sind hochstet. Aus standörtlicher und naturschutzfachlicher Sicht sind derartige Moore auch im Sinne von ALETSEE (1967) zu den Übergangsmooren zu stellen, also zur Übergangsstufe vom Nieder- zum Hochmoor und klar von den echten, also rein ombrogenen Hochmooren zu trennen. | Viele basenarme Moorbildungen sind durch das Auftreten der Arten des Sphagnetum magellanici gekennzeichnet und erscheinen rein optisch bei oberflächlicher Betrachtung oft als [[Hochmoore]]. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass vor allem in den Schlenken konstant Arten auftreten, die den Einfluss des Mineralbodenwassers verdeutlichen. Besonders das Vorhandensein der Latsche und die hohe Abundanz von Torfmoosen dürften dafür verantwortlich sein, dass derartige Moore oft zu den Hochmooren gezählt werden, obwohl die Latsche und auch Torfmoose ebenso in Niedermooren gedeihen können. Bei den meisten Vermoorungen dieses Typs lassen sich Mineralbodenwasserzeiger im gesamten Moorbereich nachweisen. Die Dominanz ist sehr unterschiedlich und die Deckungswerte je nach Ausbildung sehr gering, aber diese Differenzialarten sind hochstet. Aus standörtlicher und naturschutzfachlicher Sicht sind derartige Moore auch im Sinne von ALETSEE (1967) zu den Übergangsmooren zu stellen, also zur Übergangsstufe vom Nieder- zum Hochmoor und klar von den echten, also rein ombrogenen Hochmooren zu trennen. | ||
Version vom 15. Februar 2022, 16:40 Uhr
Allgemeines zur Moortypisierung in Mitteleuropa
Die Typisierung der mitteleuropäischen Moore geht im Wesentlichen auf die berühmte Gliederung von DU RIETZ (1954) zurück, der rein vom Regenwasser ernährte, ombrotrophe Moore (bogs) von den minerotrophen Mooren (poor fen, rich fen) unterscheidet, die zumindest teilweise unter dem Einfluss von Mineralbodenwasser stehen. DU RIETZ (1954) beschrieb diese Grenze zwischen den Hauptmoortypen (Mineralbodenwasserzeigergrenze) als sehr scharf, was sicherlich nicht ganz korrekt ist. In der Folge wurde dieser Ansatz zumindest in den wesentlichen Grundzügen in Europa verwendet und hat sich seit vielen Jahrzehnten in der Ökologie und im Naturschutz manifestiert.
Rund 50 Jahre später stellen BRIDGHAM et al. (1996) und besonders WHEELER & PROCTOR (2000) diesen Gliederungsansatz in Frage und unterscheiden für Großbritannien die „bogs“ von den „fens“ rein auf Basis des pH-Wertes. WHEELER & PROCTOR (2000) fordern die Verwendung der Mineralbodenwasserzeigergrenze, welche die ombrotrophen und minerotrophen Moore als Hauptmoorgruppen trennt, aufzugeben, weil diese Grenze nicht scharf genug sei. Nach WHEELER & PROCTOR (2000) zeigt der pH-Wert eine bimodale Verteilung. Die bogs – also von Torfmoosen dominierte Moore – weisen einen pH-Wert von < 5,5 auf, sind arm an Ca2+ und unter den Anio-nen dominieren Cl- und SO42-. Demgegenüber stehen die fens – also von Braunmoosen dominierte Moore – mit einem pH-Wert von über 5,5 und einem hohen Gehalt von Ca2+ und HCO3- . Das Hochmoor – raised bog – wäre demnach also nur eine besondere Ausbildung innerhalb der von Torfmoosen dominierten Moore und in derselben Gruppe wie die basenarmen Niedermoore einzuordnen.
ØKLAND et al. (2001) folgen dieser Neugliederung nicht und weisen für Skandinavien nach, dass es keinen vom pH-Wert unabhängigen Nährstoffgradienten gibt. Dies könnte auch damit in Zusammenhang stehen, dass in Skandinavien die atmosphärische Stickstoffdeposition äußert gering ist (AERTS et al. 1992). In Großbritannien dürfte auch noch der erhöhte Mg-Gehalt der Luft in Meeresnähe mitverantwortlich für die höheren pH-Werte in ombrotrophen Mooren sein (SJÖRS & GUNNARSSON 2002).2
Zweifelsfrei kann das System der ökologischen Moortypen von SUCCOW (1988) nicht auf Österreich übertragen werden, da oligotrophe Moorhabitate keineswegs auf die „Sauer-Armmoore“ (Hochmoore) im Sinne Succows beschränkt sind. Auch wenn unter den sauren Mooren oligotrophe Standorte verbreitet sind, so muss ein höherer pH-Wert nicht zwangsweise mit einer höheren Nährstoffverfügbarkeit einhergehen. So gibt es auch in Österreich Kalk-Niedermoore, die eine extrem geringe Fertilität aufweisen (kalk-oligotroph). Die Ursache dafür ist, dass Phosphor bei hohen Ca2+-Konzentrationen aus der Lösung heraus gebunden wird (Calciumphosphat), wodurch es mit steigendem pH-Wert zu einer zunehmenden Immobilisierung von Phosphor kommt. Demnach muss man in diesem Punkt WHEELER & PROCTOR (2000) zustimmen. In Skandinavien sind kalkreiche Moorstandorte eher selten, so dass dies vermutlich nur eine untergeordnete Rolle spielt.
HÁJEK et al. (2006) lehnen eine Neuklassifizierung auf Basis des pH-Wertes ebenso ab und vertreten wie die Autoren die Auffassung, dass es sehr wohl möglich ist die Hoch- und Niedermoore auf Basis von Trennarten zu unterscheiden. Es steht wohl außer Frage, dass eine komplette Neuausrichtung der Moortypologie gravierende Folgen hätte und besonders im Naturschutz, aber auch innerhalb der Wissenschaft für ziemliche Verwirrung sorgen dürfte, wodurch man diesen Zugang aus naturschutzfachlicher Sicht besser nicht weiterverfolgt. Wenngleich man betonen muss, dass die basenarmen Niedermoore vegetationskundlich den Hochmooren deutlich näher stehen als den basen- und kalkreichen Niedermooren, und genau dieser Umstand nicht unwesentlich für die zahlreichen Fehlzuordnungen der Moortypen in Österreich gewesen sein dürfte.
2.2 Gedanken zum Begriff „Hochmoor“
Hochmoore weisen einen eigenständigen Moorwasserkörper auf, der oft völlig unabhängig vom Grundwassereinfluss der Umgebung ist und rein über die Niederschläge versorgt wird. Dies wird in der Regel dadurch ermöglicht, dass sich der Torfkörper aufwölbt und zum Randgehänge abfällt, wodurch das Eindringen von Mineralbodenwasser verhindert wird. Am ehesten möglich ist dies in ebenem Gelände oder auch an Sätteln oder Pässen über wasserundurchlässigem Untergrund. Bei geeigneten klimatischen Bedingungen können Torfkörper bis zu einem gewissen Ausmaß auch unabhängig von der Topografie aufwachsen, wodurch asymmetrische Hochmoore oder Deckenmoore entstehen können. Bei Moorbildungen an steileren Hängen der Berglagen nimmt der Einfluss des Mineralbodenwassers an der Moorentwicklung zu. Das oberflächlich bzw. oberflächennah abfließende Hangwasser staut sich an der beginnenden Moorbildung und trifft später meist auf breiter Front auf den Torfkörper und wird beim Eintritt aufgestaut, so dass das Moor auch hangaufwärts wachsen kann. Die Grenze des Moorwachstums hängt dann maßgeblich von der Menge des anströmenden Mineralbodenwassers bzw. der Größe des hydrologischen Einzugsgebietes ab. Die Lage an steileren Hängen bedingt aber auch, dass sich bergseitig oft kein Randgehänge mehr entwickeln kann und sich der Mineralbodenwassereinfluss somit oft flächig nachweisen lässt. Es gibt aber auch Hangmoore, die sich zumindest in Teilbereichen dennoch bis zum echten Hochmoor weiter entwickeln (ombro-soligene Moore), da die eindringenden Nährstoffe herausgefiltert und gebunden werden und somit für Pflanzen nicht mehr verfügbar sind. Hier sind jedoch die Größe des Moores, die Größe des Einzugsgebietes und vermutlich auch das Alter der Moorbildung von großer Bedeutung. Ein gutes Beispiel für ein echtes Hochmoor dieses Typs ist das Große Zlaimmoos im steirischen Salzkammergut.
Charakterisierung des Übergangsmoores
Viele basenarme Moorbildungen sind durch das Auftreten der Arten des Sphagnetum magellanici gekennzeichnet und erscheinen rein optisch bei oberflächlicher Betrachtung oft als Hochmoore. Es ist jedoch zu berücksichtigen, dass vor allem in den Schlenken konstant Arten auftreten, die den Einfluss des Mineralbodenwassers verdeutlichen. Besonders das Vorhandensein der Latsche und die hohe Abundanz von Torfmoosen dürften dafür verantwortlich sein, dass derartige Moore oft zu den Hochmooren gezählt werden, obwohl die Latsche und auch Torfmoose ebenso in Niedermooren gedeihen können. Bei den meisten Vermoorungen dieses Typs lassen sich Mineralbodenwasserzeiger im gesamten Moorbereich nachweisen. Die Dominanz ist sehr unterschiedlich und die Deckungswerte je nach Ausbildung sehr gering, aber diese Differenzialarten sind hochstet. Aus standörtlicher und naturschutzfachlicher Sicht sind derartige Moore auch im Sinne von ALETSEE (1967) zu den Übergangsmooren zu stellen, also zur Übergangsstufe vom Nieder- zum Hochmoor und klar von den echten, also rein ombrogenen Hochmooren zu trennen.